Titel
Adlkofen-Bilder.de
Adlkofen
Kirchenführer von Lothar Brey



Pastor Karol - der erste nachgewiesene Pfarrer Adlkofens?


Bis Anfang der Sechziger Jahre galt der Grabstein von Dominus Albertus als der älteste Fund der Kirche von Adlkofen. Im Jahre 1963 machte man sich daran, die Kirchenstühle und Treppen zu erneuern, auch neue Beichtstühle sollten eingebaut werden. Links von der südlichen Eingangstür, zwischen der Treppe zur pore und dem Eingang, an der heute einer dieser Beichtstühle steht, befanden sich bis 1963 drei Kirchenbänke. Für die geplante Erneuerung musste zunächst der Untergrund ausgetauscht werden. Nach der Beseitigung des Solnhofer Pflasters hob man das Erdreich aus, um es durch Kies zu ersetzen. Bei diesen Arbeiten stieß man in etwa einem halben Meter Tiefe auf einen rötlichen Sandstein, den Grabstein von Pastor Karolus.

Der Grabstein war und ist noch recht gut erhalten, die Inschrift ist gut lesbar, auch die Darstellung der Person ist deutlich erkennbar. An der eindeutigen Jahreszahl 1356 (M CCC L VI) konnte man feststellen, welchen bedeutenden Fund man gemacht hatte.

 

Auf der lebensgroßen Darstellung des Verstorbenen erkennen wir den Kelch in seinen Händen, die mit Kreuzen und Ornamenten verzierte und mit Fransen bestückte Stola, auch der Faltenwurf der Albe (= langes weißes Untergewand) ist gut zu sehen, darüber trägt er das Messgewand. Auffällig ist außerdem die detailliert herausgearbeitete Haarpracht, klar zeichnen sich die langen Locken vom flachen Hintergrund ab, wohingegen das Gesicht eher einer Maske gleicht.

 

Die vollständige Umschrift des Grabsteines, ausgeführt in spätgotischen Majuskeln (= Großbuchstaben) , lautet:

 

ANNO DOMI MCCCLVI O KAROL PASTOR

 

ab hier erscheint der Text unsicher:

 

HUIS ECCLE P CRAESTINO S UDALRICI

 

 

Übersetzt:

 

IM JAHRE DES HERRN 1356 STARB KAROL PFARRER

 

die nicht eindeutig geklärte Fortsetzung lautet:

 

DIESER KIRCHE AM MORGEN DES HEILIGEN ULRICH

 

Diese, im zweiten Teil nur schwer nachvollziehbare Textdeutung des Landesamtes für Denkmalpflege erscheint nach Aussage der zuständigen Stellen nur möglich, wenn man von einem Fehler des Steinmetzes ausgeht

Während die Gutachter mit der Entschlüsselung der Inschrift weniger Schwierigkeiten hatten, geben die Ikonogramme zu Füßen des Pastors nach wie vor Rätsel auf, die Bedeutung dieser Zeichen ist bis heute noch nicht geklärt.

 

Zur Erinnerung an den Fundort wurde dieser Grabstein, auf Veranlassung von Pfarrer Groß, im Inneren der Kirche, links hinter der südlichen Eingangstür, eingemauert. Über das Leben und Wirken des "Pastor Karol" ist derzeit weiter nichts bekannt.