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Adlkofen
Kirchenführer von Lothar Brey



  Johannes - Der Heilige mit dem Symbol des Adlers

Johannes war der Sohn des Fischers Zebedäus, der am See Genezareth zusam-men mit den Söhnen seinem Beruf nachging. Seine Mutter Salome soll eine Ver-wandte Marias gewesen sein, der Bruder Jakobus (der Ältere) war ebenfalls ein Jünger. Als Mitglied einer frommen jüdischen Familie kannte sich Johannes sicher recht gut in den theologischen Schriften aus.

Von Johannes dem Täufer, der in jenen Tagen im Lande umherzog und Buße predigte, ließen sich Jakobus und Johannes im Jordan taufen. Johannes gilt als der jüngste unter den Jüngern Jesu, sein Bruder Jakobus als der älteste.

Zusammen mit Andreas war der junge Johannes dabei, als "der Täufer" auf den Herrn wies und sagte:
"Das ist 'das Lamm Gottes', das die 'Sünde' der Welt 'hinwegnimmt' (Joh. 1, 29)."

Nach der Gefangennahme von Johannes dem Täufer "kehrte Jesus nach Galiläa zurück" (Markus 1, 14).
Er berief nun Johannes und Jakobus, die er bereits vorher kannte, endgültig zu seinen Jüngern:
"Da er (Jesu) ein wenig weitergegangen, sah er Jakobus, des Zebedäus Sohn, und dessen Bruder Johannes - auch sie, wie sie im Boot ihre Netze zurechtmach-ten. Sogleich rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Taglöhnern im Boot und folgten ihm nach."

Johannes gilt als der Lieblingsjünger Jesu. Er war zusammen mit Petrus und Ja-kobus bei der Verklärung auf dem Berge Tabor dabei, er war dem Herrn beim Abendmahl am nächsten, er blieb bei ihm in seinem Todeskampf am Ölberg, wenngleich er vom Schlafe übermannt wurde. Als einziger verbarg er sich nicht nach der Gefangennahme des Herrn und folgte ihm. Zusammen mit Petrus eilte er zum Grabe, nachdem Maria Magdalena von der Auferstehung berichtet hatte. Mit ihm zusammen betrat er auch das Haus des Hohenpriesters Kaiphas, Petrus verweilte draußen beim Gesinde, Johannes ging mutig hinein.

Wie ein Sohn sorgte er auch für Maria bis zu deren Tode.

Johannes trat ohne Furcht für seinen Glauben ein, obwohl er dreimal verhaftet und mindestens einmal dafür gegeißelt wurde.

 


Im Jahre 51 n. Chr. lernte er beim Apostelkonzil Paulus kennen, um 66 zog er nach Kleinasien, wo er von Ephesus aus die sieben neuen Gemeinden gründete.

Unter Kaiser Domitian, der die Christenverfolgung verschärfte, wurde Johannes auf die Insel Patmos verbannt. In einer geheimnisvollen Vision wurde ihm hier jene Offenbarung zuteil, die zu der nie ganz enträtselten apokalyptischen Weis-sagung führte, "die in ihrer gewaltigen Vorstellungskraft die Menschheit zu allen Zeiten beängstigt und erschüttert hat".

Noch bevor man ihn auf Patmos verbannte, soll er nach Rom gebracht worden sein, wo man ihn zum Tode verurteilte. Man warf ihn in einen Kessel mit sieden-dem Öl, doch auf wundersame Weise soll er diese Vollstreckung des Urteils un-versehrt überlebt haben.

Die Christenverfolgung wurde unter Kaiser Nerva erheblich eingeschränkt, was Johannes ermöglichte, nach Ephesus zurückzukehren, wo er als Bischof die Nachfolge des Timotheus antrat.

Hier verfasste er auch in hohem Alter sein Evangelium und die drei Episteln. Er starb um das Jahr 100 im hohen Greisenalter.

 

Dargestellt wird der Hl. Johannes mit dem Adler, einem Buch (wie alle Apostel), mit Kessel, als schreibender Greis oder mit einer Schlange, die sich aus einem Becher windet.

 


Die Augen der vier Evangelisten im Presbyterium der Kirche von Adlkofen sind auf die Mitte, auf das Lamm Gottes gerichtet, das Zentrum ihres Wirkens ist Christus, all ihre Blicke richten sich darauf.
Wenn die zwei Evangelisten Matthäus und Johannes mit offenem Buch, die bei-den anderen, Markus und Lukas, mit geschlossenem Buch dargestellt sind, so ist dies keineswegs ein Zufall oder hat ästhetische Hintergründe, sondern es gibt uns vielmehr einen Hinweis darauf, dass Matthäus und Johannes ihr Wissen und ihre Weisheit noch aus einem unmittelbaren Zusammensein und Erleben mit Je-sus schöpfen konnten, wohingegen Markus und Lukas nicht mehr direkt mit dem Herrn zusammentrafen und ihre Aufzeichnungen aufgrund von Erzählungen und Zeugenberichten, sozusagen aus "zweiter Hand" niederschrieben.
Im Gegensatz zu weltlichen Kunstwerken, wo ein geschlossenes Buch einen Mangel an wissenschaftlicher Erkenntnis und Einsicht symbolisiert, darf der alle-gorische Fingerzeig in den Adlkofener Fresken nicht negativ interpretiert werden. Die zeitlich distanzierte Betrachtungsweise der beiden Evangelisten muss als abgeklärte Sichtweise durchaus positiv gewertet werden.



Als Johannes nach dem Tode des gefürchteten Domitian nach Ephesus in Klein-asien zurückkehrte, traf er dort den Oberpriester Aristodemus wieder, der ihn einst im Artemis-Tempel hatte gefangen nehmen und nach Rom ausliefern las-sen, wo er auf wundersame Weise die Vollstreckung des Todesurteils im sieden-den Öl überlebt hatte.


Wiederum versuchte der heidnische Priester Aristodemus den Hl. Johannes dazu zu bringen, den fremden Göttern ein Opfer darzubringen, so wie es bei seiner Religion der Brauch war. Doch Johannes weigerte sich auch diesmal.

Nun forderte ihn der Aristodemus heraus. Er reichte ihm einen Giftbecher und sprach:

"Wenn du diesen Giftbecher leerst, ohne Schaden dabei zu nehmen, so will auch ich an deinen Gott glauben!"

Im unverbrüchlichen Gottvertrauen stimmte Johannes furchtlos dieser Glaubens-prüfung zu.

Doch Aristodemus wollte zunächst noch einen Beweis liefern für die tödliche Wir-kung des Giftes. So ließ er zwei inhaftierte Mörder herbeischleppen und zwang sie, den Giftbecher auszutrinken. Beide stürzten augenblicklich wie tot zu Boden.

Atemlos beobachtete die Menge dieses Ereignis und wartete nun gespannt auf den sicheren Tod des Christen.

Der Heilige hingegen nahm den Becher in seine Hände und machte darüber das Zeichen des Kreuzes.

Plötzlich wand sich aus dem Becher ein Giftschlange hervor und verschwand zi-schend im Gebüsch. Jetzt führte Johann den Becher zum Mund und trank ihn in einem Zuge aus. Das Gift blieb ohne Wirkung!

Wer glaubte, der Oberpriester würde nun sein Versprechen einlösen und sich zum christlichen Glauben bekehren, sah sich getäuscht. Erneut führte er den Hl. Johannes in Versuchung und er verlangte von ihm einen weiteren Beweis der Wunderkraft Gottes:

"Wenn es dir und deinem Gott auch noch gelingt, die beiden toten Mörder wieder zum Leben zu erwecken, so will ich endgültig meinen Glauben verfluchen und mich taufen lassen!"

Johannes entledigte sich seines Mantels und befahl dem heidnischen Priester:

"Bedecke die Körper der Ruhenden mit meinem Mantel!"

Als dies geschehen war, kniete er nieder und sprach ein langes Gebet.

Dann ließ er den Umhang wieder wegnehmen und siehe da, die Totgeglaubten erwachten wie aus einem Schlaf, räkelten sich und erhoben sich von ihrem Platz.

Nun endlich war der heidnische Priester Aristodemus von der Wunderkraft und Stärke Gottes überzeugt. Voller Reue kniete er nieder, bat den Hl. Johannes ob seines zweifelnden Verhaltens um Vergebung und ließ sich auf der Stelle taufen.

Diesem Beispiel folgten noch viele weitere ungläubige Heiden.