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Adlkofen
Kirchenführer von Lothar Brey



Der heilige Leonhard


Der Heilige Leonhard lebte im sechsten Jahrhundert. Er entstammte einer edlen fränkischen Familie und lernte bei seiner Ausbildung am Hofe König Chlodwigs auch die christliche Religion kennen. Obwohl er am Hofe, und vor allem beim König, sehr beliebt war und ihm deshalb als Ritter eine glänzende Zukunft bevorstand, verzichtete er auf die Vorteile seiner adeligen Herkunft und ließ sich zum Priester weihen.

Er verkündete mit solchem Eifer die Lehren Christi, dass sich viele, die seinen flammenden Predigten lauschten, zum Christentum bekehrten und taufen ließen. Indes machte er nicht nur durch seine überzeugenden Reden auf sich aufmerksam, auch zahlreiche Krankenheilungen wurden ihm zugeschrieben. Wegen seiner engagierten Taten wurde er schon bald zum Bischof geweiht.

Nun wollte der König diesen fähigen Mann möglichst in seiner Nähe haben, was er durch die Zuteilung eines eigenen Bistums zu erreichen suchte. Leonhard floh vor diesem Ansinnen, zunächst in ein Kloster, später ließ er sich als Einsiedler in den einsamen Wäldern um Limoges1) nieder.

Sein asketisches, tugendhaftes Leben zog viele Pilger und Hilfesuchende an, vor allem Bauern der Umgebung fanden sich bei ihm ein. Durch seine umfassende Naturkenntnis konnte er vielen von ihnen helfen, vor allem bei Viehkrankheiten und Seuchen war seine Hilfe sehr gefragt und heilbringend.

Durch die herbeiströmenden Pilgerscharen entstand um seine Einsiedelei allmählich eine kleine Klostergemeinschaft.

Nachdem Leonhard einmal die gebärende Königin auf dem Wochenbett durch den göttlichen Beistand vor dem sicheren Tode errettet hatte, schenkte König Theobert seinem Kloster Land und ein Stück Wald. Dieses Gelände, das, wie er es sich wünschte, so groß sein sollte, um es in einer Nacht mit dem Esel umreiten zu können, nannte er "Nobiliacum"2) , weil es das Geschenk eines edlen Königs war.

Bald entstand darauf eine Kirche und Leonhard wurde Abt des Klosters Nobilac.

Neben den vielen Notleidenden waren dem Heiligen aber auch ganz besonders die Gefangenen am Herzen gelegen. Er kümmerte sich um sie, besuchte sie häufig, sprach ihnen Mut zu und versuchte ihnen den Weg zur Freiheit zu verkürzen und eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern. Damit die entlassenen Gefangenen nicht wieder rückfällig wurden, betraute er sie mit besonderen Aufgaben. So setzte er sie zur Rodung von Wäldern und Bebauung von Feldern ein, wodurch viele nützliche bäuerliche Siedlungen entstanden.

Am 6. November 559 verstarb der Heilige Leonhard in hohem Alter.

 

Leonhard wird dargestellt mit einer zerbrochenen Kette, mit Pferd oder Ochs, mit einem Fußblock, selten mit Gefangenen, bisweilen mit einem Kirchenmodell in der Hand, das von Ketten umspannt ist.
Er gilt als Schutzpatron der Gefangenen und wird auch als Patron des Viehs, vor allem der Pferde verehrt. Die Funktion als Schutzpatrons des Viehs könnte indes auch auf einer falschen Deutung beruhen, da man die Ketten, mit denen er wegen seines Einsatzes für die Gefangenen immer wieder dargestellt wurde, als Viehketten missdeutete. Allerdings braucht seine Stellung als Schutzpatron des Viehs aufgrund seiner unzweifelhaften Heilerfolge bei Seuchen und Viehkrankheiten nicht ernsthaft in Frage gestellt werden.